David versus Goliath, reloaded
Stefan Horn, der Betreiber der Fun-Flash-Seite ballz.de, steckt ein wenig in der Patsche: ohne irgendwelche böswilligen Hintergedanken verwendete er einen Song der Pop-Chansonnieuse Annett Louisan in einem seiner Flash-Cartoons. (Okay, als Hintergrundmusik, während die Cartoonfiguren poppen. Schlimm, schlimm. [Diese Stimme provoziert solche Assoziationen doch geradezu.])
Kürzlich flatterte ihm nun ein Brief (1 2) ins Haus, in dem ihm fein gekleidete Paragraphenreiter (im Auftrag des Herren) ausrichteten, dass er doch bitte diesen Song sofort rausnimmt, eine Unterlassungserklärung unterschreibt und die Anwaltskosten in Höhe von 755,80 € trägt.
Haben die schon mal den Spruch “Mit Kanonen auf Spatzen schießen” gehört? Erwarten die Umsatzeinbrüche, weil sich die Surfer den 20-sekündigen Ausschnitt in schlechter Qualität aus der Flash-Datei ziehen und deswegen das Album nicht mehr zu kaufen brauchen? Haben Produzent, Sängerin und Plattenfirma tatsächlich Angst, mit diesem Flash-Video in rechtsradikale Zusammenhänge gebracht zu werden? Ist das Paranoia?
Frank Ramond, Produzent und Autor des betreffenden Songs, schreibt in einem offenen Brief an Stefan Horn unter anderem:
Wir möchten mit unseren Songs aber nicht in solche Zusammenhänge gebracht werden, zumal wir nicht kontrollieren können und wollen, was mit solchen Filmen passiert und wie sie in der Öffentlichkeit interpretiert werden.
Damit hat er natürlich nicht Unrecht. Stattdessen kommt nun aber eben diesem Rechtsstreit eine große Aufmerksamkeit zu, die weder Künstlern noch Plattenfirmen recht sein kann. Auch das - sonst so gern als anonym bezeichnete - Internet hat Möglichkeiten, sich zu wehren.
Allerdings: neu ist das nicht. Im damaligen Streit Napster vs. Metallica musste die Band auch empfindliche Image-Einbußen hinnehmen, weil sie sich gegen den Download ihrer Songs gewehrt hat. Auch die Link-Seite UNF-UNF, die nicht zuletzt für den Internet-Erfolg des Schnappi-Songs verantwortlich ist, durfte schnurstracks den Song herunternehmen - allerdings (und so gehört sich das!) ohne rechtliche Konsequenzen.
Die komplette - und hochspannende - Geschichte Plattenfirma vs. Rest der Welt könnt Ihr hier tagesaktuell nachlesen. Gleichzeitig ist das ein kleiner Beweis dafür, dass das Medium Internet mittlerweile eine große Öffentlichkeit auf den Plan rufen kann, die auch große Firmen nicht ignorieren können/sollten.
Klar, dass das Filmchen rechtlich nicht einwandfrei ist. Aber hätte es nicht auch eine einfache E-Mail getan, in der steht, dass Stefan Horn den Song rausnehmen soll - und erst im Falle des Nichtbefolgens die Anwälte eingeschaltet werden?
Hätte diese Mail nicht etwas weniger gekostet als 755,80 €?
[An dieser Stelle sei noch einmal klargestellt, dass ich mich von allen externen Links distanziere. Vor allem von diesen hier. Sonst hauen mich die Anwälte auch noch, nur weil ich den Namen Annett Louisan hier erwähnt habe…]
8 Kommentare »
RSS-Feed für Kommentare zu diesem Beitrag. TrackBack URI


Richtig so, ganz meiner Meinung. Und für Sony wäre es genauso billiger gekommen…
Kommentar von GruppeCN — 18.02.2005 @ 19:58
ist schon traurig, oder?
werd ich denn auch verknackt wenn ich über die strasse gehe und das lied pfeiffe? muss ich da vorher sony anrufen??
Kommentar von falke — 20.02.2005 @ 12:47
@falke: Das frag ich mich auch langsam. Wenn Dein Gepfeife mehr Leute hören als Du selbst, wäre ich vorsichtig. Dann könnte Sony das schon als öffentliche Aufführung verstehen…
Kommentar von Al — 20.02.2005 @ 17:10
bald kauf ich echt gar keine musik mehr!!
Kommentar von Nelson — 10.03.2005 @ 16:42
… und dich an den pranger stellen.
sie sind schon überall, diese musikfuzzies. LAUFT!
Kommentar von rusty — 10.03.2005 @ 17:16
Joho
Urheberrechtsstreit hin oder her , leider ist dieser Tage alles und jeder durch irgendein COpyright oder dergl. “geschützt” ! Soll auch recht sein da diese Künstler ihre “Brötchen” auch verdienen müssen . Doch in solch einem Fall sieht das wie ein leichter Fall von willkür aus . Publizieren von nem Lied oder nen Teil von, in nem Flashmovie (der schön langsam aufgrund dieses Liedes in den Hintergrund gerät ,ich find den SUPI)als Grund für einen eventuellen Imageverlust zu sehen ist in sich schon lächerlich ! Meine Güte so viele Künstler ,und die die es werden wollen werden manchmal als … naja aufhänger oder Teil eines Gag`s benutzt und is auch OK .
NAJA was solls , wer`s nötig hat ?
Auf jeden Fall VISIT http://www.ballz.de (es lohnt sich)
Kommentar von D3lUx3 — 10.03.2005 @ 19:54
Ich find den ganzen zauber um die sache einfach nur albern! das lied wurde raus genommen und damit ist doch gut! statt dessen 755,80 € zu blättern find ich ma einfach nur beschiss! und erhlich gesagt frag ich mich wie die darauf aufmerksam egworden sind! ch bezweifel irgendwie das sich so ein aunzugtragender schicki micki anwalt dazu “herabläss” (sollte nicht abwertend für http://www.ballz.de sein! die site is klasse) sich über sowas zu belustigen! und ernsthaft….ich konnt das lied vor dem cartoon schnon nicht leiden! aber im cartoon wars wenigstens noch witzig! (aber das is ja meine meinung!)
Kommentar von Raven — 21.03.2005 @ 12:09
Des ist doch das gleiche wie mit den Bullen!
Nur weil die Meinen das “Du” jetzt genug getrunken hast und nicht mehr bereit bist heimzufahren, laden sie dich auf ne Übernachtung en, die dich grad wieder 35€ kostet, obwohl es bis nach hause näher gewesen wär!
Annette is doch schon ne Künstlerin. Sie weis wie man ganz hinterfotzig den leuten das Geld aus der Tasche zieht. Sie will ja nur spielen! -Aber dann mal mit offenen karten.
Sei doch froh, das der Schranz überhaupt in ne Datei gelangt, die nicht von Viren befallen ist!
–Die idee mit dem Pfeifen auf der Strasse is gar nich ma so schlecht. Da könnte man doch mal was vorm Sony gebäude veranstalten.
Kommentar von MMOD — 06.06.2005 @ 16:59