Wo die Kälte herkommt

19.12.2005 | 12:06 Uhr | Weite Welt

Ganz weit oben in Nordgrönland sitzt auf einem Eisberg die Kältehummel. Sie ist 20 000 Kilo schwer und möchte gern fliegen. Ihre Flügel sind aber viel zu schwach. Trotzdem lässt sie sie dauernd auf und ab schwirren, weil sie hofft, es gelinge ihr eines Tages doch noch. Dadurch bewegt sie die eiskalte Luft so stark, dass diese bis zu uns kommt. Den ganzen Winter lang übt die Kältehummel, bis sie im Frühling erschöpft einschläft. Zum Glück, denn sonst hätten wir keinen Sommer. Im Sommer schläft die Kältehummel und träumt, sie könne fliegen. Ein Schläuling, der nicht gerne fror, schickte ihr einmal ein Paket voll Schlaftabletten, weil er hoffte, sie schlafe dann auch im Winter. Aber der Briefträger war ein Eisbär, und der war so neugierig, dass er das Paket aufmachte und alle Tabletten selber schluckte. Seither wird in Nordgrönland keine Post mehr ausgetragen, denn der Eisbär schläft noch heute, und weil er der Einzige ist, der weiß, wo die Kältehummel wohnt, kann niemand sagen, wie es ihr jetzt geht, aber so lang es jedes Jahr Winter wird, können wir annehmen, dass sie noch lebt.

Eine hübsche Geschichte von Franz Hohler, gefunden im auch sonst ganz hübschen kleinen Adventskalender des höchst verdienstvollen LEO-Wörterbuchs (und ein Beleg dafür, daß sogar Wörterbücher schöne Adventskalender haben können).


1 Kommentar »

  1. die geschicht haben wir ach in der schule durchgenommen, mir gefällt sie!

    Kommentar von Raphi — 24.01.2007 @ 15:28

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